Teamleiterin beim Homeschooling

Dieser Blogbeitrag ist Teil unserer #femalefintech-Initiative, die Frauen in der Fintech-Szene vorstellt.

Mein Name ist Sonja Schmitt, ich leite die Bereiche Kampagnen und Presse bei Engel & Völkers Digital Invest in Berlin. Die Plattform für digitale Immobilieninvestments finanziert Bauvorhaben, Bestandsimmobilien und Grundstücke für Bauträger, Bestandshalter und Projektentwickler. Mit meinem Team sorge ich dafür, dass die einzelnen Immobilienprojekte ansprechend vorgestellt werden, mit einer anschaulichen Projektwebsite sowie einem Imagevideo. Zusätzlich kümmere ich mich um die Pressearbeit bei uns, da ich von Haus aus „eigentlich“ ausgebildete Journalistin bin.

Als gäbe es in jedwedem Bereich weibliche Vorbilder

Seit mich in meinem Volontariat bei einer Tageszeitung überraschenderweise das Wirtschaftsressort am meisten begeisterte und ich im Anschluss als Redakteurin bei Finanztest (Stiftung Warentest) arbeitete, bin ich irgendwie immer in von Männern dominierenden Branchen gelandet: „Finanzen“, „Informationstechnologie (IT)“ und „Immobilien“.

Zwar war der Frauenanteil in der auf Immobilien- und Finanzthemen spezialisierten PR-Agentur, in die mich mein Weg nach der befristeten Stelle bei Finanztest führte, fast 50:50. Bei den Kunden handelte es sich aber fast ausschließlich „old white men“ – ich glaube, wir hatten in meinen knapp zehn Jahren dort unter den etwa 50 Kunden zwei Unternehmen mit Frauen in der Geschäftsführung. Auch bei den von Engel & Völkers Digital Invest finanzierten Projektentwicklern sind die Frauen deutlich die Minderheit. Ich glaube zwar schon, dass sich hier viel verbessert hat in den vergangenen zehn Jahren, trotzdem ist es immer wieder eine Herausforderung, es für meine elfjährige Tochter so aussehen zu lassen, als gäbe es in jedwedem Bereich weibliche Vorbilder. 

Daher bin ich sehr froh, dass mein Mann zuhause von seiner Chefin erzählt (und nicht nur ich von meinem Chef), meine Schwägerin einen Doktortitel im naturwissenschaftlichen Bereich hat und ich der Elfjährigen – da sie begeistert an der Calliope-AG ihrer Schule teilnimmt, einer Programmier-AG für die 5. und 6. Klasse – eine Kollegin bei uns vorstellen konnte, die „in echt“ im Bereich IT bei uns arbeitet. Und immerhin hat sie eine Mutter, die heute stolz darauf ist, seit dem zweiten Lebensjahr ihrer Tochter anspruchsvolle Jobs und das Familienleben parallel gut gewuppt zu haben, und das sogar viele Jahre alleinerziehend. Was nicht heißt, dass es immer einfach war.

Berufliche Zukunft: Faire Chancen?

Aber was ist schon immer einfach? In der erwähnten Agentur bot mir der Chef ein halbes Jahr nach meinem Start dort eine Teamleiterstelle an. Vorbereitet darauf fühlte ich mich wirklich überhaupt nicht, wagte aber den Sprung ins kalte Wasser. Wenige Entscheidungen haben meine Berufslaufbahn wahrscheinlich so geprägt wie diese – im Rückblick war es gut, dass ich mich nicht in der (oft frauentypischen) Frage verfing, aus welchen diversen Gründen ich für die Stelle nicht geeignet wäre. (Denn – so meine Erfahrung mittlerweile – die besten Jobs sind die, bei denen man selbst noch jede Menge dazu lernen kann. Und ich habe nie so viel gelernt wie dort – ja, ok, auch über Immobilien – aber vor allem darüber, wie man unter einem extrem schwierigen Chef ein Team führt und motiviert.) Was ich alles nicht konnte, hat mein Chef mir (und den anderen Teamleitern) dann schon gesagt. Und zwar deutlich, und auch gerne laut, denn er war ein Freund der sehr direkten Kritik. Das war nicht schön, hat mir allerdings eine wertvolle Lektion verpasst: Kritik sachlich auf Fakten zu durchforsten und nicht persönlich zu nehmen. Denn in der Regel sagt sie mehr über den anderen und seine Weltsicht aus als über einen selbst.

Gehalt und Aufstieg

Nach vier Jahren in der Agentur wurde ich schwanger und ging in Elternzeit. Mein Plan war, nach einem guten Jahr wieder einzusteigen. Der Chef war erfreut. Zunächst. Aber: „Was, Sie wollen Ihre Leitungsposition behalten, aber nur 30 Stunden arbeiten? Wie soll das denn gehen?“ Aber hatte ich nicht exakt von ihm immer den Satz gehört „Akzeptiere kein ‚Nein‘!“ ? Und natürlich ging es. Zumindest, nachdem ich meinen Job erstmal gekündigt und anschließend einen komplett neuen Arbeitsvertrag mit ihm aufgesetzt hatte. Inklusive einem Tag Homeofficemöglichkeit pro Woche (2011 ein äußerst ungewöhnliches Anliegen) und vor allem festen Rahmenarbeitszeiten, da ich genau wusste, dass in der Agentur die Arbeitszeit-Flexibilität immer nur in eine Richtung gedehnt wurde. Aber das ist noch wieder eine andere Geschichte. 

Bei der Geldanlage setzen Frauen auf falsche „Sicherheit“, sie sparen häufig, statt zu investieren.  

Generell versuche ich meiner Tochter ein gesundes Selbstbewusstsein vorzuleben und beizubringen, dass freundlich sein nicht heißt, es jedem Recht zu machen. Ach ja, und ganz wichtig finde ich auch:

Früh mit Taschengeld anfangen und Kindern – gerade Mädchen – grundlegendes Know-how  zum Thema „Finanzen und Geldanlage“ zu vermitteln.

Zwar hat sich hier schon viel verbessert, trotzdem setzen noch zu viele Frauen auf falsche „Sicherheit“ bei der Geldanlage, indem sie vor allem sparen – aber nicht investieren. So besitzen z. B. im Vergleich zu den Männern nur halb so viele Frauen Aktienfonds. Auch hier ist also noch viel Luft nach oben. 

Mädchen-Zunkunftstag: Arbeit in finanztechnischen Bereichen interessant

Und wie steht es nun mit meinem Nachwuchs und seiner bzw. ihrer Sicht auf die (Berufs-)Welt? Eine kleine Zukunftsvision erhielt ich auf dem Spielplatz, wo eine fünfköpfige Gruppe sich vorher nicht bekannter Kinder um die richtigen Regeln für ein Spiel stritt. Zwei schrien durcheinander, eins schwieg beleidigt, eines nickte ergeben dem lautesten Schreihals zu. Meine Tochter griff vermittelnd ein, fragte Meinungen ab, und schlug am Ende etwas offenbar für alle Taugliches vor, denn die Bande raufte sich daraufhin zusammen und hatte viel Spaß. „Du wirst bestimmt mal Chef“, lobte sie ein Vater, der den Kindern mit mir zusammen zugesehen hatte. „Nein, das werde ich nicht“, sagte mein Töchterlein. Zu meinem völligen Entsetzen – das ganze Bemühen meinerseits, und trotzdem glaubt sie, sie kann das nicht? Ach, verdammt… Aber mein Mädchen war noch nicht fertig „Ich werde nicht Chef“, wiederholte sie und blickte dem Mann fest in die Augen. „Ich werde CHEFIN!“ 

Autorin: Sonja Schmitt (LinkedIn-Profil)

Kategorien: Verband